Myammar. Teil 1.

Die letzten zwei Wochen sind so voller Ereignisse gewesen, so dass wir mal wieder vor der Herausforderung stehen euch dieses Erinnerungsmosaik möglichst gut zu erzählen. Aus diesem Grund versuchen wir es einfach mal wieder chronologisch und versuchen Themen die uns am Herzen liegen an geeigneter Stele mit einfließen zu lassen.
Der Weg nach Myanmar führte uns von Ranong auf thailändischer Seite mit einem kleinen Longtailboot nach Khathoung in Myanmar. Die Überfahrten mit solch kleinen Booten machen uns immer ein wenig Angst, da unsere Babys leider nicht schwimmen können. Mittlerweile sind diese Überfahrten ein wenig zu Gewohnheit geworden, gibt es aufgrund des Mangels an Brücken auch keine andere Wahl. Die erste Bootsfahrt war jedenfalls ganz besonders, stellt sie doch den Grenzübertritt in ein Land dar, dass bis 2012 fast völlig und insbesondere im Süden vom Rest der Welt abgeschnitten war.

In Myanmar angekommen erwarten uns die ersten Hindernisse in Person der Immigration/Grenzbeamten, die uns unmissverständlich klar machten, dass sie uns mit dem Fahrrad nicht durch den südlichsten Teil des Landes fahren lassen würden. Nach langen und harten Verhandlungen, die Laura mit viel Geschick führte, wurde uns schließlich gestattet mit dem Bus nach Myeik durch das „gefährliche Gebiet“ zu fahren. Wir hatten bereits viel gehört und gelesen über eventuelle Probleme, die es geben könnte, nur waren die Informationen meist Vage und zum Teil widersprüchlich, so dass wir es einfach drauf ankommen lassen wollten. Im Süden soll es angeblich noch Rebellengruppen geben, die öfters Busse überfallen und uns wurde auch die Begründung gegeben, dass es wohl keinerlei Dörfer und Infrastruktur für ein sicheres weiterkommen gäbe. Darüberhinaus hat sich Myanmar dem Tourismus zwar geöffnet, jedoch steht es unter Strafe zu Campen oder bei der lokalen Bevölkerung zu schlafen. Dafür muss eine spezielle Autorisierung der örtlichen Polizei eingeholt werden, doch wie dehnbar diese Regelung im Grunde ist haben wir später noch feststellen können.
Unsere Räder wurden mitsamt unserer Pässe von der Immigration konfisziert und sollten uns erst beim Einstieg in den entsprechenden Bus ausgehändigt werden. Wir verlebten einen wunderschönen Tag in der Stadt, besuchten unsere erste Pagode bis wir schließlich von zwei Beamten zum Busbahnhof eskortiert wurden. Der Bus und vor Allem die anschließende Fahrt war eines der härtesten Busfahrten die wir je erlebt haben. Zusammengekauert wie zwei Ölsardinen mit den Knien bis an die Brust gedrückt, da der Fußraum voll war mit allerlei Kartons, mussten wir 16 Stunden überleben. Der Vordersitz war so dermaßen eng an unseren gebaut, dass uns keinerlei Bewegungsspielraum blieb. Zu allem Überdruss waren die Fenster kaputt, der Sitz nicht fest montiert und dementsprechend beweglich und es war saukalt, von der Straße, die eigentlich nicht existierte ganz zu schweigen. Man stelle sich zwei Menschen möglichst platzsparend in einen Blechkasten gepresst vor, der gerade einen Hang runtergeworfen wird. Dementsprechend fertig waren wir nach 16 Stunden fahrt und 0 Stunden Schlaf, als wir in Myeik angekommen sind.



Myeik allerdings haben wir genossen, als erste Stadt auf unserer langen Reise Richtung Norden. Das Essen war gut, das Bier auch und nach einer Mütze Schlaf und einer Dusche fühlten wir uns gleich besser. Myeik fühlte sich ein wenig an wie eine Zeitreise, da vieles so ist, wie wir es noch aus Geschichten kennen. Ohne die ganzen kleinen Details erzählen zu können, merken wir, dass sich dieses Land 40 Jahre vom Rest der Welt abgekapselt hat. Es gibt im Prinzip keine Müllentsorgung, im Besten Fall wird der Müll verbrannt und im schlimmsten einfach ins Meer gekippt. Dementsprechend sah der Hafen auch aus. Ansonsten wimmelt es in der Kleinstadt von kleinen Essensständen, die Leute sind freundlich, hilfsbereit und sehr neugierig.
Exkurs Straßenbau:


 Fast überall auf der Strecke wird gebaut. Die Methoden sind sehr simpel und es werden in der Regel Menschen statt Maschinen eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen sind extrem schlecht und Gesundheitsgefährdend.
  Teer wir dabei in Tonnen über Feuer erhitzt und Arbeiter schöpfen es in Flip Flops und ohne jeglichen Mundschutz ab um ihn auf der Straße zu verteilen. Die Steine werden zum Teil mit der Hand kleingeschlagen und von Hand auf der Straße verteilt. Eine Person hat uns erzählt, dass ein Arbeiter ca. 5 $ pro Tag verdient, allerdings handelt es sich bei der Quelle um einen schwerreichen Mienenbesitzer und daher ist die Angabe kritisch zu betrachten. Jede Menge Kinder zwischen 8-12 Jahren arbeiten auf diesen Baustellen und sind wohl Teil der Familien, die zum Arbeiten in diese Region gekommen sind und am Wegesrand ihr sporadisches Lager aufgeschlagen haben.
Nun ging es wieder auf die Räder und die ersten 90km bis nach Palaw verliefen gut auf einer asphaltierten Straße, was wir auch einem Tag zurücklegen konnten. Leider haben wir uns etwas zu früh gefreut, denn die Straßenverhältnisse sollten sich noch rapide verschlechtern. Bis Dawei hatten wir hunderte von Kilometern mit extrem schlechten Straßen zu tun die fast überall sich im Bau befunden haben.
Wenn wir von schlecht sprechen, dann meinen wir auch schlecht. Auf unserer eigens entwickelten Dirtroad-Skala (1-6) war der größte Teil 4-6, also gesäumt mit faustdicken Steinen, die halb aus dem Boden rausgucken. Daher mussten wir mehr Slalom fahren als geradeaus und nach ein paar Tagen taten uns die Handgelenke und der Nacken so dermaßen weh, dass wir uns ernsthaft Gedanken über unser Fortkommen machten. Auf solchen Straßen machten wir ca. 40km am Tag und waren danach extrem schlecht drauf. Das Einzige, was uns am Abend wieder Auftrieb gegeben hat ist die Herzlichkeit der Menschen, die uns überall in unvorstellbaren Maße begegnet. In der Regel grüßt einen jeder Mensch auf dem Weg und ist interessiert was wir so machen und warum und überhaupt. Das zwei Menschen freiwillig mit dem Fahrrad eine solche Strecke machen stößt bei den meisten Menschen in dieser Region auf Verwunderung und Anerkennung. So wurden wir des Öfteren Eingeladen, uns wurde Wasser aus den vorbeifahrenden Trucks gereicht und uns wurde mehrfach versichert, dass uns jeder Mensch helfen würde, wenn wir sie bräuchten. Ein Besonderes Kapitel in diesem Bereich stellen die Übernachtungen dar. Da es kaum Infrastruktur gibt und schon gar keine Hotels, mussten wir des Öfteren in Klöstern schlafen. Meist kam die Dorfpolizei vorbei, um uns aus welchen Gründen auch immer zu registrieren und ihren Segen zu geben. Um uns wurde sich rührend gekümmert. Wir bekamen ein großes Abendessen bestehend aus Fisch, Reis, Schweineteilen (alles erdenkliche) und vielem mehr, dass sich unserer Kenntnis entzieht. Das Selbe gab es dann noch mal zum Frühstück. Mit zwei Klumpen Reis im Magen ließ es sich dann auch gut fahren und der morgendliche Toilettenbesuch viel auch kürzer aus als gewöhnlich.
Nach dieser Dirtroadtortur haben wir uns dann ein paar Tage Pause in Maung Ma Gan gegönnt, wo ein herrlicher Strand zum bleiben einlädt. Das Besondere hier ist, dass es ein Strand ist, der fast ausschließlich von lokalen Einwohner zur Entspannung genutzt wird, was in Südostasien heutzutage eher selten der Fall ist. Während unseres Aufenthalts bröckelte auch schon langsam unser Dogma alles mit dem Fahrrad fahren zu müssen. Da wir nur kleine Sprünge machten und wir in vier Wochen mehr von Myanmar sehen wollten als den Süden haben wir uns dazu überredet bei anhaltenden schlechten Straßen weiterzutrampen. Als nach dem ersten Tag auf der Straße nun auch noch Regen einsetzte und die Straße zu einer Schlammpiste wurde war es soweit. Wir hielten sehr erfolgreich LKW’s und Jeeps an, die uns letztlich über Yeh bis Mawlomyne brachten. Von da waren es nur noch 3 Tage (300km) bis Yangoon, die wir mit Freuden auf guten Straßen auch hinter uns brachten.  Yangoon selbst ist eine Großstadt mit der größten Pagode der Welt. An der Spitze der Pagode prunkt ein riesiger Diamant und insgesamt sind noch viele weitere an ihr zu finden. 
Ein Großteil der Pagode ist aus Goldplatten gemacht und lässt uns das ein und andere mal wieder mit kritischen Gedanken zurück Auf der Ganzen Strecke gibt es unzählige Tempel und Pagoden, meist reich verziert und von unvergleichbarer Schönheit. In den Dörfern sind die Menschen an der Straße am Spendensammeln für immer neue religiöse Bauprojekte während wir die Schulen meist im verwahrlosten Zustand sehen. Uns drängt sich einfach der Gedanke auf wie viel Schulen, Ausstattung und Infrastruktur finanziert werden könnte, wenn die gesammelten Gelder
zumindest zum Teil nicht in religiösen Prunk und noch ein weiteres Kloster gesteckt werden würde. Sicher ist es nicht an uns die buddhistischen Bedürfnisse der Bevölkerung zu kritisieren, jedoch fallen uns die Nöte an anderen Stellen durchaus auf.
Nun sind wir mit dem Zug nach Pagan im Norden und überbrücken somit ca. 600 km. Die Zugfahrt ist ähnlich holprig wie die Busfahrt, nur im Schlafwagen viel gemütlicher.

Ende erster Teil...

Es folgt... (Bagan, Mandalay und der hoffnungslose Versuch mit dem Rad über die Berge durch den Shan State nach Thailand zu kommen)

1 comentario:

  1. holaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa jolin cuanto tiempo sin tener noticias.espero que esteis bien ,me queda claro que no hay cobertura pero....., vale a seguir disfrutando desde SARTAGUDA BESOS

    ResponderEliminar